Chef, der Metzger hat gesagt
Rezepte, Neuigkeiten und Geschichten aus einem EDEKA in Köln-Lindenthal.
Freitag, 10. Mai 2013
Willis Hausbesuche: Hochheim
Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche
Heute: Hochheim
Deutschland kann nix! Habe ich an dieser Stelle mehrfach festgestellt. Stimmt ja! Flughafen können wir nicht, Bahnhof auch nicht, Elbphilharmonie schon gar nicht. Aber Moooooment, Schluss mit der Miesmacherei, wir können immerhin Kreisverkehr! Glaubt Ihr jetzt nicht? Aber doch, das können wir. Deutschland kann Kreisverkehr wie nix anderes! Bei uns in Bonn, da wird jetzt einer angelegt, so was hat die Welt noch nicht gesehen. Die Baustelle dürfte vom Mond aus zu sehen sein. Mit nacktem Auge, angezogenem Auge und wahrscheinlich auch noch dem Hühnerauge. Und das wird nicht einfach ein Kreisverkehr, das Ding wird eine absolute Spitzenqualität haben. Denn da müssen Leute am Werk sein, die früher in dieser Jack Daniels Destille gewerkelt haben. Ja, genau in der, wo man sich gaaaanz viel Zeit nimmt. Denn so ein Whisky, der wird ja mit Reife immer besser. Das gilt wohl auch für einen Kreisverkehr. Vier bis sechs Jahre Bauzeit sind da gar nichts. Vielleicht werden es auch acht. Und Ampeln, Ampeln gibt es auch noch, an allen vier Zufahrten in diesen Kreisverkehr. Das wird ein richtiges Luxusding.
Äh, halt, stopp, Ampeln? AMPELN? Am Kreisverkehr???? Ist der nicht gerade dafür da, Ampeln zu ersetzen? Wozu habe ich den, wenn sowieso noch Ampeln aufgestellt werden? Egal, dem Kreisverkehr wohnt eine intrinsische Schönheit inne, den braucht es auf jeden Fall. Und die Ampeln brauchts dann erst recht, sagt der Stadtbaumeister, denn der Kreisverkehr hat nur 72 Meter Durchmesser und bei so geringem Durchmesser muss man den Kreisverkehr beampeln, damit der Verkehrsfluss nicht ins Stocken kommt. Beampeln! Allein schon das Wort!
Vielleicht sollte man den mal nach Frankreich schicken, den Stadtstaumeister? Denn, sehen wir den Tatsachen ins Gesicht, das gallische Hexagon kriegt zwar noch weniger auf die Reihe als unser marodes Gemeinwesen. Der fröhliche Sozialismus a la Hollande führt dort wohl über kurz oder lang dazu, dass das pleitebedrohte Land in Frank-arm umbenannt, oder in eine Misswirtschafts- und Währungsunion mit Spar-nie-n verklappt werden muss. Aber Kreisverkehr ohne Ampeln, das geht dort trotzdem. Das beweist uns der Franzacke jeden Tag aufs Neue. Da gibt es Kreisverkehre, die sind so klein, dass man von dort aus den Mond schon gar nicht mehr sehen kann. Gefühlt drei Zentimeter Durchmesser. Aber deswegen Ampeln aufstellen? Nee! Wenn in Frankreich jeder Kreisverkehr von weniger als 72 Metern Durchmesser beampelt werden müsste, dann hätten die ein straßenbaupolitisches Konjunkturprogramm, das den volkswirtschaftlichen Ochsenkarren schneller aus dem Dreck zöge, als die Firma Verleihnix faulen Atlantikfisch von Lutetia in die Bretagne liefern kann.
Sonntag, 5. Mai 2013
Spanferkel-Rollbraten vom Grill
Dienstag, 30. April 2013
Willis Hausbesuche: Mainzer Weinbörse 2013
Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche
Heute: Mainzer Weinbörse 2013
Frauenquote, wir brauchen eine Frauenquote, ja klar! Also in meinem Bett jedenfalls habe ich eine, da muss neben mir ein Igelweibchen liegen und kein Igelmännchen. In der Wirtschaft ist das eine etwas andere Sache. Wenn man zum Beispiel in Unternehmen eine Frauenquote einführt, die vor allem Mathematiker und Ingenieure beschäftigen, ist das mit der Quote so eine Sache, weil eben vergleichsweise wenige Frauen Ingenieurswesen oder Mathematik studieren. Da muss man dann sehr schnell richtig schlechte einstellen oder befördern, wenn man sich nicht den Zorn der Grünen zuziehen will.
Überhaupt ist mir nicht so ganz ersichtlich, warum der gesamte private Sektor die geschlechtliche Zusammensetzung unserer Gesellschaft eins zu eins abbilden muss. Ist es nicht ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit, wenn einem Betrieb vorgegeben wird, zu welchen Prozentzahlen Frauen oder Männer einzustellen oder zu befördern sind? Und warum lässt man es bei den Geschlechtern bewenden? Müssen nicht auch andere Randgruppen der Gesellschaft in den Führungspositionen unserer Konzerne proportional zum Vorkommen in der Gesellschaft abgebildet werden, wenn wir Diskriminierung verhindern wollen? Also her mit einer Quote für Menschen mit Migrationshintergrund! Und einer Quote für Schwule und Lesben, wahrscheinlich das dann auch noch hälftig austariert. Wobei noch zu klären wäre, ob die Lesben gleichzeitig unter die Frauenquote fallen – oder zählen wir da eher die Schwulen? Und wie verrechnet man das ggf. mit der Geschlechterquote? Dann braucht´s natürlich eine Quote für Muslime, eine Quote für Journalisten türkischer Zeitungen, je eine Quote für Träger von Hosenträgern und für Träger von Gürteln, Linksträger, Rechtsträger, Bedenkenträger, eine Behindertenquote und, und, und. Irgendwann hat die political correctness uns dann so weit, dass wir nach Qualifikationen für einen Posten gar nicht mehr fragen müssen. Ich sehe schon die Stellenanzeigen der Zukunft vor mir: „Gesucht wird lesbische muslimische türkische Journalistin mit Migrationshintergrund, Hosenträgern und Behinderung. Fachliche Qualifikationen egal.“
Vor diesem Hintergrund prangere ich es an, dass auf der Mainzer Weinbörse unter 175 Betrieben lediglich ein einziges Weingut mit weiblichem Namen vertreten war, die gute alte Witwe Thanisch. Ansonsten Jean Stodden, Andreas Laible, Horst und Rainer Sauer, Ludwig Knoll, Toni Jost, Van Volxem (geborener Morrison), Franz und Willi Haag, Philipp Kuhn, Jürgen Ellwanger, Männer wohin man schaut, ich könnte stundenlang weiter aufzählen. Skandal!
Und leben wir eigentlich noch in einer Republik? In Mainz gab’s eine satte Adelsquote, Fürst Hohenlohe, Fürst Castell, Fürst Löwenstein und einfach nur Fürst, Herzog Württemberg, Reichsgraf Kesselstadt, Reichsgraf Hoensbroech, Prinz von Hessen, Prinz Salm oder schlicht Prinz (hat der früher nicht als Artist formerly known as Simpel auch Musik gemacht?), von Winning, von Bassermann, Markgraf von Baden, Freiherr Franckenstein, Graf von Schönborn und so weiter. Ganz klar, der VDP muss in den kommenden Jahren neu zusammengesetzt werden, mehr Frauen, weniger Adel!
Insofern habe ich nur unter Protest verkostet, was dieser chauvinistische Männerbund des ersten Standes da wieder zusammengekeltert hatte. Wie immer beschränkte ich mich auf die Verkostung des Rieslings, obwohl natürlich eine Dornfelderquote angezeigt gewesen wäre. Oder wenigstens Domina, da wäre auch die Frauenquote und die S/M-Quote mit abgedeckt gewesen.
Freitag, 26. April 2013
Eier, Dicke Bohnen und Minze

Dicke Bohnen Frittata. Nach einer Idee von Nigel Slater. Da im Moment keine Dicke Bohnen Zeit ist habe ich welche aus Alaska genommen. Hat aber auch sehr gut geschmeckt. Die Minze gibt den richtigen Kick. Das wird in jedem Fall wiederholt mit frischen Dicken Bohnen. Dazu gab es kabeljaufilet aus dem Backofen mit Berbere gewürzt. Ich gewöhn mich langsam an das arabische Würzen.
Montag, 22. April 2013
Romanasalatherzen, Ingwer und Zitronengras

Die Idee zu diesem Rezept habe ich aus einer englischen Zeitung. Dort wurden zwar Kopfsalatherzen verwendet, aber die sind im Moment nicht wirklich prickelnd, deshalb einfach Romanaherzen. Da ich die Zeitung nicht mitgenommen habe, kein Rezept, sondern frei Schnauze.
Eine Brühe aus Ingwer und Zitronengras geköchelt. Die Romanaherzen und Stücke von Lauchzwiebeln in Olivenöl anbraten. Dann mit der Brühe angießen und einköcheln lassen bis nur noch ein wenig Brühe übrig ist, die dann wie ein Dressing verwendet wird. Salzen und pfeffern erst ganz zum Schluss, da durch das intensive einkochen der Salzgehalt der fertigen Speise extrem schwer einzuschätzen ist. Ein Schuss Sojasauce rundet das Gericht schön ab.
Das Rezept ist wirklich sehr einfach und schnell gemacht, trotzdem aber sehr schmackhaft. Einfach mal probieren.
Samstag, 20. April 2013
Angrillen die Zweite gegrilltes Gemüse

Leckeres gegrilltes Gemüse mit dem neuentdeckten Sommerwein 2013.
Das Gemüse wird kurz gegrillt dann mit gutem Olivenöl und einer Balsamicoreduktion übergossen, sowie mit Salz und Pfeffer gewürzt.
Dazu passt der leichte Château Tariquet Classic (11,5%vol.) aus der Gascogne ganz hervorragend. Das beste was ich aus Ugni Blanc und Colombard je getrunken habe. Erfrischender floraler Duft mit Noten von Zitrusfrüchten. Im Mund saftig und animierend. Davon sollte man in der Sommersaison immer eine Flasche im Kühlschrank haben, für den Fall der Fälle.
Dienstag, 16. April 2013
Mittwoch, 3. April 2013
Pastrami Sandwich Rheinland Style

Es soll Leute geben die nach New York fahren (fliegen) und die Stadt nicht verlassen bevor sie nicht ein Pastrami Sandwich bei Katz´s Delis. Die 16,-$ sollte es einem Wert sein. Es soll Leute geben die meinen man braucht das heute nicht mehr. Seitdem sich die Naturmetzgerei Hennes dem Thema "Pastrami" angenommen hat gibt es eine echte Alternative in Köln. Bestes Rindfleisch, nur vom Thönes Naturverbund versteht sich, gepökelt, geräuchert und gekocht. Mit besten Gewürzen verfeinert ergibt das eines der besten Pastrami des Rheinlandes, ach wahrscheinlich Deutschlands, von der, aber ich schweife ab.
Die wichtigste Zutat hätten wir damit schon einmal. Fehlt noch Brot.
Die Bäckerei Mertzenich hat das traditionelles rheinische Röggelchen wiederentdeckt.
Mayonnaise schnell selber gezaubert, Düsseldorfer ABB Mostert dazu und fertig mehr braucht es nicht für ein leckeres Pastrami Sandwich Rheinland Style.
Alles ab sofort bei uns im Markt erhältlich oder in der Südstadt.


Montag, 1. April 2013
Besuch Bembergs Häuschen, Eifel
Was macht man im winterlich kalten Rheinland, man fährt in die Eifel. Nicht zum Skifahren, aber zum Essen. Essen gehen in der Eifel? Jenseits von Schnitzel und Dosenerbsen, gibt es da sonst noch was?
Seit kurzem Michelin besternt gibt es dort in der kulinarischen Diaspora Bembergs Häuschen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, der Service wusste wohl mit unseremSmart Casual Look leichtem Bieranzug nichts anzufangen, da der Rest doch wirklich in Abendgaderobe erschienen ist.
Will heißen, wir wurden zum Platz begleitet und warteten dort, ohne das man uns nach unseren zwischenzeitlichen Wünschen gefragt hätte, auf den Rest der Tischbesetzung. Nachdem diese eingetroffen war, dauerte es noch einige Minuten bis wir dann Gehör fanden, aber ab diesem Zeitpunkt lief es dann Rund.
Die Bilder sind daher ein Mix von mehreren Essern mit unterschiedlichen Gängen.
Seit kurzem Michelin besternt gibt es dort in der kulinarischen Diaspora Bembergs Häuschen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, der Service wusste wohl mit unserem
Will heißen, wir wurden zum Platz begleitet und warteten dort, ohne das man uns nach unseren zwischenzeitlichen Wünschen gefragt hätte, auf den Rest der Tischbesetzung. Nachdem diese eingetroffen war, dauerte es noch einige Minuten bis wir dann Gehör fanden, aber ab diesem Zeitpunkt lief es dann Rund.
Amuse
Gut Gefallen hat uns, dass man die Anzahl der Gänge wählt und dann sein Menü anhand der Karte selber zusammenstellen kann, aber nicht muss.Die Bilder sind daher ein Mix von mehreren Essern mit unterschiedlichen Gängen.
Pfaffenstückchen
Gans
Langostiuno
Jacobsmuschel
Steinbutt
Herrengedeck
Lammhaxe
Rehrücken
Mango
Hanf
Mittwoch, 27. März 2013
Huhn, Aprikosen und Zatar
Zatar ist eine arabische Gewürzmischung der Ottolenghi in seinem neuem Buch "Jerusalem" eine ganze Seite gewidmet hat. Ein Name tausend verschiedene Rezepturen. Eines, welches auch nur annähernd dem Nahe kommt, welches ich seinerzeit in Marais, Paris erstanden habe, ist mir nicht untergekommen. Generell gilt, jüdische und arabische Gewürzmischungen kauft man dort am besten.
Dieses Rezept beinhaltet Hähnchenkeulen mit Aprikosen, Korinthen in Tamarindensauce. Das Fleischwird vor dem Servieren mit Zatar bestreut.
Dieses Rezept beinhaltet Hähnchenkeulen mit Aprikosen, Korinthen in Tamarindensauce. Das Fleischwird vor dem Servieren mit Zatar bestreut.
Montag, 25. März 2013
Ei, Spargel und Erbsen
Im Schnellkochtopf gegartes Omelett mit grünem Spargel und frischen Erbsen.
Das Omelett nach Modernist Cuisine.
200g Eigelb, 9g Backpulver und 1 g Salz gut verrühren und in gefettete Auflaufförmchen geben. Die Aufflaufförmchen in einen Schnellkochtopf stellen, bis zur Hälfte mit Wasser angießen und 40 Minuten garen. Quer halbieren und in der Pfanne mit Butter nachbraten.
Erbsen und Spargelstücke in eine Pfanne mit Butter knackig braten. Mit Schnittlauch und etwas Forellenkaviar servieren.
Freitag, 22. März 2013
Willi Igel: Bodegas Pomar, Terracota, Tempranillo und Syrah 2012, Venezuela
Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt
Heute auf der Hebebühne: Bodegas Pomar, Terracota, Tempranillo und Syrah 2012, Venezuela
Leute, verratet mich nicht, sonst komme ich in Schwierigkeiten. Wenn einer stirbt, fragt die Polizei ja immer gerne, wer den Verblichenen zuletzt lebend gesehen hat. Na ja und bei Hugo Chavez, dem Präsidenten von Venezuela, war das tatsächlich Euer alter Weinigel. Euer Weinigel, dem der große Hugo kurz vor seinem letzten Atemzug noch einige Zeilen für die Nachwelt in den Interviewblock diktierte. Hier das Gespräch im vollen Wortlaut:
Igel: Herr Revolutionsführer, oder darf ich Hugo sagen...??
Chavez: Con gusto, Willi!
Igel: Na wunderbar! Hugo, was mich interessieren würde - wie fühlt man sich so als Revolutionsführer? Ist man da nicht eine Art Dinosaurier, der letzte seiner Art? Nachdem Castro jetzt an seinen Bruder übergeben hat und Muammar in Libyen in der Kanalisation heruntergespült worden ist?
Chavez: Bueno, Willi, auf den ersten Blick sieht das so aus. Aber gerade Ihr in Deutschland habt doch ganz großartige Talente in dieser Richtung. Da ist zum Beispiel dieser Niebel, das könnte glatt mein Sohn sein - immer mit Militaermütze unterwegs, nie um einen dicken Spruch verlegen. Und, wenn ich das richtig sehe, hat der gerade einen Putsch gegen seinen eigenen Vorsitzenden unternommen. Erfolglos zwar, aber so sind wir Revolutionsführer eben in unserer Sturm- und Drangzeit. Mein erster Anlauf, damals in Caracas, der Militärputsch, Du erinnerst Dich, ist auch gescheitert. Das muss der Niebel noch lernen, dass man dann nicht aufgibt, und - wo man mit Gewalt nicht weiter kommt, einfach mal versucht, es mit demokratischen Wahlen zu schaffen. Wenigstens bei der ersten Wahl, danach sieht man dann weiter.
Igel: Sicher, sicher, aber, Hugo, Du musst doch zugeben, dass es derzeit alles andere als wahrscheinlich ist, dass Niebel unser Kanzler wird?
Chavez: Vero, vero, Willi, aber ihr habt da ja noch so eine Type, diesen Steinbrück, der Junge hat echt Potenzial. Berlusconi einen Clown zu nennen, das ist schon großes Kino. (Wehmütig:) Erinnert mich ein wenig an meine Sturm und Drangzeit, als ich vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen den damaligen US-Präsidenten Bush als "Satan" bezeichnet hatte. Gut, da kommt der Peer jetzt noch nicht ran, aber er übt ja noch, das wird schon noch, wie gesagt, der Junge hat Potenzial! Soll ich Dir ein Geheimnis verraten, Willi?
Igel: Sicher, Hugo, gerne!
Chavez: Du weißt ja, dass es um meine Gesundheit nicht zum Besten steht. Es wird Zeit für mich, meine Nachfolge zu ordnen. Ich habe in meinem Testament verfügt, dass Steinbrück Venezuela von mir erbt. Da kann er mit der dicken Nahles und dem Rest der SPD-Linken einen richtig guten sozialistischen Staat alter Machart übernehmen. Ich würde das gerne noch eine Weile geheim halten, mein Vizepräsident hier in Caracas wird das auch nicht mögen, deswegen sollten wir den Ball die kommenden Tage noch flach halten. Würdest Du dem Peer schon einmal sagen, was da auf ihn zukommt? Ich habe auch noch ein kleines Geschenk für ihn, das Du ihm als Zeichen unserer sozialistischen Völkerfreundschaft mit nach Deutschland bringen könntest.
Igel: Mach ich gerne, Hugo. Was ist es denn?
Chavez: Eine Flasche venezolanischen Rotwein! Vom Feinsten!
Igel: Oha, Hugo, Wein ist schwierig beim Steinbrück. Du weißt ja, der trinkt nix, was nur fünf Euro kostet - und wenn ich es recht weiß, ist selbst Euer Feinster noch für Vierfünfzig zu haben, oder?
Chavez: Vero, Willi, vero - na dann bitte ich Dich um einen anderen Gefallen - würdest Du den Wein selbst verkosten und in Deiner Kolumne besprechen?
Igel: Mache ich gerne!
Also ins Glas mit dem Terracota, Tempranillo + Syrah, 2012 von den Bodegas Pomar!
Muss ein Supertropfen sein, denn das Rückenetikett erklärt, man habe ihn extra nur sehr kurz im Keller reifen lassen, damit er nichts von seiner Klasse verliere. Vielleicht hat er deswegen keine Zeit gehabt, eine Nase zu entwickeln? Das beaujolaist so ein wenig vor sich hin, wenn man überhaupt etwas findet, dann einen Hauch Dropsigkeit, vielleicht eine Spur Brombeere. Insgesamt eher gefällig und oberflächlich im Duft.
Am Gaumen kommt er erst wie ein kühler Glühwein rüber, zimtig, seltsam gewürzig. Doch das gibt sich mit Luft. Dann finde ich die brombeerige Frucht aus der Nase wieder, eher Gamay als Merlot (und schon gar kein Tempranillo oder Syrah), weil auch am Gaumen die Dropsigkeit eines mittelprächtigen Beaujolais bleibt. Und die leicht kratzigen Tannine im Abgang, die der Gamay aus dem Beaujolais schon einmal haben kann. Dennoch ganz angenehm zu trinken, wenn auch schon ziemlich oxidativ - obwohl er für einen Oxidationsprozess in den wenigen Sekunden Kellerausbau eigentlich keine Zeit hätte haben dürfen. Weil er doch schon sehr zugänglich und so oxidativfruchtig wirkt, sehe ich auch nicht, dass man ihn noch lagern könnte, etwa um die Tannine abzubauen, die im Übrigen auch etwas zu grün dafür wirken.
Also nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein gut trinkbarer Pizzawein. Ein Arbeiter- und Bauerngetränk eben, passend zu Venezuela... Ab der zweiten Flasche träume ich davon, selbst Venezuela zu übernehmen, so eine nette kleine Willitärdiktatur, das wäre es doch, oder?
81 von 100 Willipunkten
Mittwoch, 20. März 2013
Marshmallows, Erdbeeren und Sahne
Ganz cooles Dessert, und ganz einfach zu machen. Einzig das trocknen der Erdbeeren ist etwas Tricky, da es ja im Moment nur die aufgepumpten von fremdwärts gibt. Da ist dann leider fast nur Wasser drinne.
Ist ein Rezept aus Amerika, dort wird es aber mit echten Heidelbeeren gemacht, welches noch viel besser als mit Erdbeeren schmeckt. Leider gibbet die im Moment nicht.
Erdbeeren
250g Erdbeeren, fein gewürfelt
2 El Zucker
1 El Minze, fein gehackt
1 Schuss Erdbeerlikör
Schaum
150g Mini-Marshmallows, oder Größe fein gewürfelt
250g Erdbeeren, gewürfelt
50ml Wasser
50ml Lillet Rose
3 El Zucker
200g Sahne, frisch geschlagen
4-5 große Erdbeeren, nur die Seiten abgeschnitten. Mit Puderzucker bestreuen und 3-4 Stunden bei 50C Umluft im Backofen trocknen lassen. Ab zu die Türe öffnen, damit die Feuchtigkeit raus kann.
Erdbeer
Die gewürfelten Erdbeeren mit Zucker, Minze und dem Likör mischen und 30 Minuten ziehen lassen.
Schaum
Die Erdbeeren, Wasser, Lillet und Zucker in einem Topf aufkochen und 3-4 Minuten köcheln lassen. Topf von der Platte nehmen und mit dem Stabmixer pürieren. Marshmallows zugeben und unter ständigem rühren auflösen. Abkühlen lassen. Geschlagene Sahne unterheben. Erdbeeren in Gläser füllen, Schaum darauf geben und mit Folie abgedeckt 2-3 Stunden im Kühlschrank festwerden lassen.
—-- Artikel wurde auf meinem iPad erstellt
Montag, 18. März 2013
Rote Beete, Lachs und Ziegenkäse

Eine kleine Vorspeise, schnell gemacht aber macht was her und schmeckt trotz der vielen Geschmackskomponenten erstaunlich harmonisch.
Der Ziegenkäse rundet das Geschmacksensemble schön ab und mildert die Spitzen von Fisch und Merrettich.
300g Rote Beete, gekocht und geschält
etwas Zatar
250g Lachsfilet ohne Haut
50g Salz
30g Zucker
100g Ziegenfrischkäse zerbröckelt
60g Walnüsse, leicht karamellisiert
Etwas frischen Meerrettich
Olivenöl
Apfelbalsamessig
Maldon Salz und Pfeffer aus der Mühle
Salz und Zucker mit 500ml Wasser gut verrühren und den Lachs darin 45 Minuten einlegen. Dann gut abtrocknen und und feine Scheiben schneiden.
Rote Beete ebenfalls in fein Scheiben schneiden und auf Teller, der vorher leicht Zatar bestreut wurde, arrangieren. Lachsscheiben zu Röllchen formen und auf der Roten Beete verteilen. Ziegenkäse und Walnüsse darüber verteilen. Wenig Salzen und Pfeffern. Mit gutem Olivenöl und etwas Balsamessig beträufeln. Zum Schluss etwas Meerrettich darüber raspeln. Sofort servieren.
Zur Deko habe ich noch etwas Bergpfeffer Zuckerwatte beigelegt, die aber aus einem Versuch für ein anderes Gericht übrig geblieben ist.
War im übrigen die Vorspeise zu einem Gericht von Ottolenghi. Hahnchen mit Aprikosen und Korinthen in Tamarindensauce.
Freitag, 15. März 2013
Willi Igel - Barbaresco Negro 2007
Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt
Heute auf der Hebebühne: Cascianotta, Barbaresco Negro 2007
Das hatte uns gerade noch gefehlt. Das Unwesen der politischen Korrektheit hat die Kinderbücher erfasst. Kein Wunder, dass es Otfried Preußler diese Woche dahingerafft hat – ist ja im Kopf nicht auszuhalten, wenn die kleine Hexe plötzlich keine Hexe mehr sein darf, weil das eventuell die Frauen der Republik diskriminieren könnte. Also heißt das Buch demnächst „das kleine Mädchen mit übersinnlichen Fähigkeiten“. Richtig kompliziert wird das erst beim Hexenschuss, der dann natürlich kleines Mädchen mit übersinnlichen Fähigkeiten-Schuss heißen muss. Oder bei der Hex vom Dasenstein – kleines Mädchen mit übersinnlichen Fähigkeiten vom Dasenstein. Ist doch kein Name für eine Weinlage?!
Damit nicht genug! Natürlich darf es bei Pippi Langstrumpf auch nicht mehr „Neger“ heißen, wenn Pippi von den Ureinwohnern Taku-Tuka-Lands berichtet. Noch ist allerdings offen, wie man einen Neger politisch korrekt nennen soll. Da man bei den Negerküssen inzwischen zu Schaumküssen übergegangen ist, könnte man natürlich Analogien ziehen und einfach von einem Schaum reden. Obwohl ich mich da direkt wieder frage, woher man am Ende weiß, ob Schaum in einem Compositum dann für Neger steht oder tatsächlich nur für Schaum, wie zum Beispiel in Schaumwein, den man ja auch politisch unkorrekt niemals Negerwein nennen würde. Und was ist mit Ernst Neger, dem längst verstorbenen Mainzer Karnevalsurgestein? Wie heißt der denn jetzt? Ernst Schaum? Und wo hört das auf? Was ist mit Alice Schwarzer? Darf man wenigstens noch Schwarzer sagen? Oder heißt die jetzt Alice Farbiger? Oder auch Alice Schaum?
Ehrlich gesagt, diese krankhafte political correctness lässt mich manchmal sehr ratlos zurück. Immerhin gibt es jetzt Hoffnung. Ausgerechnet die Firma Playmobil ist es, die den Spieß herumdreht. Es sei nicht mehr einzusehen, erklärte kürzlich ein Firmensprecher mit erstaunlich ernstem Gesicht auf einer Pressekonferenz, dass die negativ besetzten Spielfiguren immer männlichen Geschlechts sein sollten. Deswegen habe man beim neuen Playmobilset „Bankräuber“ nun eine weibliche Räuberfigur aufgenommen. Gute Idee! Liebes heute-journal, liebe Tagesthemen, auf diese Steine können wir bauen. Künftig bitte nicht mehr von Kriegsverbrechern sprechen, sondern von Kriegsverbrecherinnen und Kriegsverbrechern. Mörderinnen und Mörder, Betrügerinnen und Betrügern – ich glaube, Ihr habt das Prinzip verstanden…
Darauf einen Barbaresco. Und zwar einen Negro, solange der noch so heißen darf. Aus dem Hause Cascinotta und dem exzellenten Jahrgang 2007. Klar, das ist noch zu jung, aber manchmal will man ja schnell mal reinschmecken, um zu wissen, ob man dem eigenen Weinkeller davon größere Posten einverleiben sollte. Außerdem hatte der Händler meines Vertrauens gemeint, dieser Neger sei schon sehr jung sehr zugänglich. Frühreif also, sage ich mal auf die Gefahr hin, dass ich mir jetzt auch noch doppelte Unkorrektheitspunkte wegen oenologischer Beziehungen zu Minderjährigen anderer Beerenhautfarbe einhandele.
Aber, was soll man sagen, der ist wirklich erstaunlich offen in der Nase, sehr fruchtbetont, kirschig, das könnte fast ein Sangiovese sein! Daneben finden sich lakritzige Noten, ein burgundischer Hauch von reifem Pinot, unterholzig, würzig.
Am Gaumen zunächst viel Säure, dazu dann hellrote Kirschen und schokoladige Töne. Auch das erinnert wieder an Sangiovese. Nach wenigen Minuten schält sich der aus der Nase bekannte burgundische Ton heraus, sehr würzig, aber nicht stallig, eher auf der Schiene Waldkräuter, Waldpilze unterwegs. Wirkt erst einmal etwas zu alkoholisch und recht leicht, das ist aber seiner Jugend geschuldet, da kann so ein Nebbiolo ja trügerisch einfach gestrickt wirken. Mit mehr Luft wird er dann deutlich voller, da hebt er zu einem Rundflug durch den Obstgarten ab, Heidelbeere, Brombeere, etwas Himbeere, weiterhin viel Kirsche. Umrahmt wird dieser Obstsalat von einem geschmeidigen Veilchen, oder, nein, das wandelt sich eher zu einem Holunderbukett.
Insgesamt gibt sich der Wein sehr elegant und fein, im Abgang bleibt er auch nach dreißig Minuten Beatmung schlanker als im Anklang, das allerdings in epischer Länge. Bleibt auch sehr säurebetont, was ihn aber nicht stechend macht, sondern eher pikant und animierend wirken lässt. Und nach nicht einmal einer Stunde Badezeit in der Karaffe geht das säuerliche über in eine feine Spielart hedonistischer Süffigkeit. Mehr davon!
Durchaus deutliche Tannine hat er auch nach dieser Stunde noch, aber die sind mürbe und halten sich eher im Hintergrund auf. Inzwischen lässt sich am Gaumen auch eine ganz dezente, irgendwo in der Tiefe knapp über dem Grund schwebende fruchtbetonte Süßlichkeit ausmachen. Sie hilft, das Tannin wegzupuffern und rundet den Wein angenehm. Der immer länger und immer nachdrücklich im Abgang wird. Nach zwei Stunden Luft erreicht er seinen Höhepunkt, dann gesellt sich zur Frucht und zur Süße auch noch eine bratensaftige Würze, die sehr lange am Gaumen bleibt.
87 bis 88 von 100 Willipunkten. Für 17 Euro im Weinhaus Scholzen zu Köln zu erwerben, das ist ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis! Und der würde optimal zum Zigeunerschnitzel passen. Aber das heißt ja jetzt Sinti und Roma-Schnitzel.
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